Dienstag, 23. August 2016

Die teuerste Stadtkarte der Welt und ein Land, das es nicht gibt

Chisinau also. Ob es uns gefallen hat? Oh ja, sehr sogar. Wir sind auch einen Tag länger geblieben, als geplant. Was es da so zu sehen gibt? Ähhmmm...



Zugegeben, wir waren schlecht vorbereitet. Also eher gar nicht. Also wollten wir uns nach unserem ersten ausgedehnten Erkundungsgang durch die Stadt im Hotel eine City Map kaufen, weil dort ja in aller Regel die Sehenswürdigkeiten verzeichnet sind, von denen wir vermutet hatten, dass sie sich möglicherweise allesamt etwas abseits vom Stadtzentrum versteckt haben könnten. Die ziemlich betagte und sehr resolute Dame an der Touristeninformation breitete auf unsere Frage hin dann auch zwei nahezu identische Karten aus und hob an zu sprechen. Auf Russisch und Moldawisch und für uns kaum zu verstehen, aber da die Karten auf Englisch beschriftet waren, war das auch nicht weiter wichtig. Also nutzte ich eine Atempause, um auf eine der Karten zu zeigen, this one, please! Ihr Blick gebot mir Schweigen, umständlich wurde die zweite Karte entfaltet und Kolja ging dann schon mal. Es folgten weitere Erklärungen und ich versuchte es hoffnungsvoll mit energischerem Fingerzeig und auf Russisch, takoj, paschalsta! Danach dauerte es dann auch nur noch wenige Minuten bis die Einführungsphase ganz offensichtlich beendet und nun zügige Entscheidungsfindung gefragt war, jedenfalls entnahm ich das dem zunehmend unwirschen Blick und dem allmählich ungeduldig zuckenden Schnurrbart. Also deutete ich zum dritten Mal auf dieselbe Karte und wurde erhört, 75 Lei, bitte sehr, umgerechnet 3 Euro, für eine popelige Karte, die man in jeder Touristeninformation hinterher geworfen kriegt. Und ich war so beeindruckt, dass ich sie ohne zu nörgeln, ja, ohne mich auch nur im Stillen darüber zu ärgern bezahlt habe. Es gibt Leute, die ihr Handwerk einfach verstehen!

Um sich eine solche Karte leisten zu können brauchts schon mehr als 6 lumpige transnistrische Rubel!!

Was die Sehenswürdigkeiten betrifft, waren wir dann doch einigermaßen ernüchtert. Einen guten Teil davon hatten wir schon gesehen (ziemlich kleine Kirche, ein Museum, ein ganz hübscher Park...). Und wir hatten auch schon Fotos davon gemacht, z.T. allerdings aus Versehen wie bei diesem hier.


Eigentlich haben wir die Schach spielenden Jungs fotografiert, der Triumphbogen im Hintergrund war uns erst gar nicht aufgefallen. Und doch rangiert er bei TripAdvisor unter den Top 3. Mit anderen Worten, Chisinau hat schon was, ist freundlich und lebendig, aber, und die Moldawier mögen uns das verzeihen, gesehen haben muss man es nicht.

In einem ganz anderen Licht, weltoffen und beinahe kosmopolitisch erstrahlt es aber, wenn man von einem Ausflug nach Transnistrien zurückkehrt. Transnistrien hat sich 1992 von Moldawien abgespalten und für unabhängig erklärt, orientiert sich sehr stark an Russland, wird aber von keinem Land der Erde anerkannt. Das hat die Transnistrier aber nicht daran gehindert beispielsweise eigenes Geld und eigene Briefmarken zu drucken, und vor allem eine Grenze um ihr Land zu ziehen, an der ein beeindruckender Ein- und Ausreisezirkus geboten wird. Wir sind mit dem Bus in die 70 Kilometer entfernte Hauptstadt Tiraspol gefahren (zwei Tickets kosten übrigens exakt soviel wie eine City Map von Chisinau), und waren ziemlich ernüchtert. Nicht, dass wir viel erwartet hätten, aber Tiraspol ist eine vollkommen gesichtslose Stadt. Wir hatten wenigstens mit einem Straßenbild voller alter Lada, Wolga und Gas gerechnet, mit einer kleinen Sowjetzeitreise, von der man an der Grenze einen kleinen Vorgeschmack zu spüren glaubte, aber nicht mal das. Es war einfach stinklangweilig und so sind wir nach drei Stunden wieder zurückgefahren. 

Transnistrischer Traktor, als Walze verkleidet

Im Bus nach Tiraspol

Friedliches Nebeneinander von Baustilen, die sich normalerweise nicht grüßen würden...

Na, immerhin waren wir mal da, in dem Land, das es nicht gibt.

1 Kommentar:

  1. Hallo Barbara. Grüße aus der Heimat. Die Ferien sind zu Ende. Wir hätten hitzefrei verdient, bekommen es aber nicht. Ich freue mich auf deinen nächsten Eintrag. Gruß, Johannes.

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