Freitag, 19. August 2016

Juri Gagarin und die Weinsammlung von Herrmann Göhring

„Hab ich das grad richtig verstanden? Seid ihr aus Deutschland?“ wurden wir mit ungläubigem Unterton von einer jungen Frau im Lift unseres Hotels gefragt. Richtig, wir sind im Hotel, das Campen haben wir für unsere Zeit in Moldawien mal vorübergehend an den Nagel gehängt.

                                         Hat auch wirklich oft geregnet!

Von unserem Fenster aus können wir unser Auto sehen, und immer wieder Leute, die es fotografieren. Das war in den anderen Ländern bisher ähnlich, aber hier wird oft einfach nur das Nummernschild fotografiert. Mit anderen Worten, Touristen aus dem Westen scheinen sich nicht so sehr oft hierher zu verirren, wir haben auch in der Stadt kaum welche gesehen. Trotzdem fühlen wir uns hier aber nicht unwohl oder deplatziert, ganz im Gegenteil.


Schon an der Grenze war irgendwie Urlaubsstimmung. Eigentlich hatten wir mit ellenlangen Autoschlangen, schleppender Abfertigung, postsowjetischer Unfreundlichkeit und einem Riesenstapel Formulare in uns unverständlicher Sprache gerechnet. Stattdessen sind wir bei strahlendem Sonnenschein direkt zur Passkontrolle durchgefahren um nach wenigen Minuten von den Rumänen an die moldawischen Kollegen weiter gereicht zu werden. Und die waren einfach nur klasse!! Die Formalitäten wurden eher nebenbei erledigt, wir haben uns nett auf Englisch unterhalten, und als Kolja auf freundliche Nachfrage die bockige Motorhaube aufsperrte, legten insgesamt sieben Leute den letzten Rest von Grenzbeamtenetikette ab und die Handykameras an. Und waren angesichts des dürftigen Motorrauminhalts äußerst erheitert. Nur einer hat nicht mitgemacht, der saß währenddessen am Steuer und probierte die Krückstockschaltung aus. Ein Jammer, dass man an Grenzen keine Fotos machen darf!
Weiter nach Chisinau ließ es sich wunderbar zügig auf ziemlich guten Landstraßen fahren, ohne, wie in Rumänien, durch endlos lange Dörfer mit 50 km/h, Viehtrieb und Gänseslalom zu zuckeln.


In Chisinau war dann allerdings der Spaß vorbei, die Moldawier fahren zwar ganz moderat und haben uns auch ein paar kurzfristige Richtungsänderungen nicht weiter übel genommen. Aber die Stadt ist ein einziger Verkehrsinfarkt und das bei 35 Grad, garniert mit einer Reihe von Baustellen, die unsere Offline-Karte nach kurzer Zeit in die Knie gehen ließen. Entsprechend derangiert kamen wir dann an unserem Hotel an, wir wollten zwar eigentlich woanders hin, aber das war dann auch egal.

Wenn man aber sehr früh aufsteht, kann man auch in Chisinau ordentlich Gas geben.

Das Hotel Cosmos sieht aus wie jedes Hotel Cosmos in der östlichen Hemisphäre. Eine sowjetische Monumentalbausünde, nicht ganz im Zentrum gelegen (da ist nicht genug Platz), davor eine monströse Statue (keine Ahnung, wer das ist, Lenin jedenfalls nicht), und da kein Mensch so ein Riesending braucht (schon gar nicht in Chisinau) liegt ein Teil der Etagen einfach brach. Aber es hat alles, was man braucht und obendrein wahnsinnig nette Rezeptionistinnen, denen wir sofort das Sorgerecht für uns übertragen haben und die sich seither rührend um uns kümmern.


So haben sie für uns erstmal eine Besichtigung von Moldawiens Sehenswürdigkeit Nummer 1, des Weinguts Cricova inklusive Taxifahrt organisiert. Taxifahren ist hier unschlagbar günstig, und wir hatten die Nase vom Fahren immer noch gestrichen voll. Jedenfalls haben wir uns dort im unterirdischen Stollensystem eines der größten Weinlager der Welt mit weit über 1 Million Flaschen angesehen. Juri Gagarin hat dort eine 2tägige Weinverkostung hinter sich gebracht (Respekt auch dafür!). Und Herrmann Göhrings Weinsammlung lagert dort ebenfalls, die hat man seinerzeit Moldawien als Reparationszahlung überlassen. War wirklich interessant. Man wird dort in diesen kleinen Touristenbimmelbahnen durch die Stollen gefahren und unterwegs haben wir nach einem Stop einen nicht unerheblichen Teil unserer Gruppe verloren. Den Tourguide hat das nicht weiter interessiert, und wir anderen fanden es eigentlich auch ganz gut, man saß doch sehr beengt.


Cricova ist auf jeden Fall eine Reise wert. Und Chisinau? Hm.

Das heben wir uns mal für den nächsten Post auf, der hier wird sonst zu lang.

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