Montag, 29. August 2016

Zweimal Rumänien, bitte!

Nun wird es aber mal langsam allerhöchste Eisenbahn, über unsere Zeit in Rumänien zu schreiben. Das haben wir bisher nicht gemacht, weil wir zweimal eingereist sind, und beide Male für sich genommen nicht unbedingt postfüllend waren.
Das erste Mal sind wir von der Ukraine aus eingereist, mitten durch die Karpaten. Und um es vorweg zu nehmen: wir waren froh, dass wir vor zwei Jahren schon mal bei schönem Wetter hier waren. Bei Regen (und davon hatten wir reichlich), sehen die Wälder struppig, zerzaust und beängstigend dunkelgrün aus, die Schlaglöcher tarnen sich als Pfützen mit ungeahntem Tiefgang und die Dörfer entlang der Straße ziehen sich endlos dahin. 


Schön, das tun sie auch bei Sonnenschein, aber dann sehen die Brunnen vor all den Häusern ohne fließend Wasser malerisch, die Gemüsegärten all der Selbstversorgerhaushalte appetitlich und die langsam daher zuckelnden Pferde- oder Eselkarren nach beneidenswerter Entschleunigung aus. Und auch die, bei jedem Wetter schön anzusehenden Holzkirchen haben nicht mitgemacht, denn als wir gerade beschlossen hatten, an der nächsten anzuhalten, sie zu besichtigen und zu fotografieren, kam natürlich keine mehr.

Keine Holzkirche, aber schön eingerüstet

Da war es ein Glück, dass wir von unserer heiteren Campingplatzbesitzerin in Sighetu Marmatiei, deren Heiterkeit offenkundig nicht zuletzt auf das Konto von rumänischem Whiskey ging, den sie großzügig mit ihren Gästen teilte (auch wenn die Gäste daran schwer zu schlucken hatten, wenn sie ihn nicht gleich, wie Kolja, in einem unbeobachteten Moment in die Pflanzen kippten; mit dem Zeug hätte man Leder gerben können), dass sie uns jedenfalls nachdrücklich ans Herz legte, wir sollten unbedingt einen gleichermaßen berühmten wie nahgelegenen Friedhof besuchen. Und wenn ihr jetzt denkt, na toll, auch noch ein Friedhof, das kann ja heiter werden – stimmt! Es handelte sich nämlich, und so steht es auch in unserem Reiseführer geschrieben, um den lustigsten Friedhof (der Welt…?), was daher rührt, dass der Holzschnitzer Stan Ion Patras aus Sapanta seine kunstvoll gefertigten und allesamt blau angemalten Holzkreuze mit Anekdoten über Leben und/oder Todesursache der Verstorbenen versehen hat. 





Und auch wenn wir argwöhnen, dass hier gut abgehangener Altherrenhumor in Holz gebeitelt wird, wir uns in Ströme von Touristen eingereiht haben, die den kleinen Ort reisebusweise überrollen, und wir uns nicht gewundert hätten, hätte man zwischen den Kreuzen noch irgendwo ein Kinderkarussell untergebracht, hat er uns doch irgendwie ganz gut gefallen.


Am nächsten Tag schlug dann das Wetter um, und da wir wenig Lust hatten durch den Regen zu stapfen, beschlossen wir, das schlechte Wetter zu nutzen um Kilometer zu machen. Und so waren wir zwei Tage später in Moldawien, worüber ihr ja schon im Bilde seid.

Unsere zweite Einreise von Moldawien aus führte uns dann ins südöstliche Rumänien, das hier sehr ländlich und vergleichsweise dünn besiedelt wirkt. Mit der rasant zunehmenden Häufigkeit der Pferdegespanne nahm dann auch die Tankstellendichte rapide ab, so dass wir mit Ach & Krach und dem letzten Tropfen moldawischen Sprits die Stadt Tulcea und damit die Pforte zum Donaudelta erreichten. Den Reservekanister haben wir bisher noch nicht benutzt, teils, weil die Heckklappe auch so kaum noch aufgeht, teils, weil es einfach nicht nötig war, LUK-Oil sei Dank, die haben sich hier überall verbreitet wie Kopfläuse im Kindergarten.

Und irgendwann sind wir mal sehr froh darüber, einen Reservekanister zu haben. Ganz bestimmt.

Im Delta sahen wir uns dann zum ersten Mal auf unserer Reise mit der Aufgabe konfrontiert, uns zwischen mehreren zur Auswahl stehenden Campingplätzen entscheiden zu müssen. Was für ein Luxusproblem! Wir entschieden uns für den eines Fischers, der seine Gäste auf Wunsch in seinem kleinen Boot durchs Delta schippert, und wir haben es nicht bereut. Gerade die Fahrt durch die vielen kleinen Seitenarme ist wirklich schön. 


Wir haben jede Menge Vögel gesehen, die wir allesamt nicht benennen konnten (vermutlich weniger deshalb, weil sie so wahnsinnig selten sind, als vielmehr, weil wir beide einfach keine Ahnung haben), außerdem schwarze und weiße Kormorane, Möwen, zwei Eisvögel, Blesshühner und einen Schwimmbagger, der sich ausdauernd und für uns ohne erkennbaren Sinn selbst mit Wasser übergossen hat. 





Bloß die Pelikane waren an diesem Abend leider woanders unterwegs, nachdem sie mittags doch so vielversprechend im Tiefflug über unseren Campingplatz gezogen waren.
Und auch wir zogen dann weiter; bei brüllender Hitze entlang der Küste war es nach Bulgarien nicht mehr weit. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen