Sonntag, 14. August 2016

Lviv und Karpaten

Und schon haben wir mit leisem Bedauern die Ukraine hinter uns gelassen, haben mit Lviv und den Karpaten natürlich nur einen kleinen Eindruck bekommen und hätten dort gut & gerne noch eine ganze Weile herum reisen können. Aber so ist das eben auf der Durchreise.
Angefangen haben wir in Lviv (Lemberg), nach einen überraschend schmerzlosen Grenzübertritt aus Polen. Die 80 Kilometer von der Grenze aus haben kaum gereicht, um uns an die ukrainischen Verkehrsgepflogenheiten zu gewöhnen. Gewöhnungsbedürftig war auch der Campingplatz, im Internet gepriesen als Hotspot direkt an der Rennbahn gelegen, wo man morgens den edlen Vollblütern beim Training zusehen könne. Das war allerdings in der Zeit vor der EM, danach hat in mancherlei Hinsicht in der Ukraine eine neue Zeitrechnung begonnen. Das letzte Rennen dort hat vor vier Jahren stattgefunden, die ganze Anlage lag brach und verströmte diese unvergleichlich gruselige Atmosphäre verlassener Vergnügungsparks.

                                                    Camping "Hotel Jockey"

Lviv dagegen ist wirklich schön, trägt seine bisweilen bröckelnde Pracht mit Würde, ist lebendig, freundlich, pulsierend und das genaue Gegenteil dieser aufwändig restaurierten Städte, die wie Puppenstuben für Touristen wirken. Die Altstadt um den Markt herum lässt sich gut an einem Tag besichtigen, uns hat besonders die Oper gefallen. Tragisch die Geschichte dahinter: der Architekt hat seinerzeit für seinen schwülstigen Innenausbau derart herbe Kritik einstecken müssen, dass er sich im Forum erschoss.

                                                              Seitengasse in Lviv                            



Gut, ein bisschen überladen wirkt es schon ...

An unserem zweiten Abend ging dann auch noch unser Wunsch in Erfüllung, dass sich doch bitte noch andere Camper auf unseren Platz verirren möchten, und seien es Wohnmobilrentner aus Deutschland. Letztere waren es dann zwar nicht, dafür durften wir die Bekanntschaft von Janusz und Tobi machen, zwei Jungs wie angereichertes Uran (der Vergleich passt so schön, weil sie Tschernobyl auf ihrer Reiseroute stehen hatten), deren Blog Joint Adventures treffender nicht hätte benannt werden können und die uns, während sie dabei waren eine Schneise aus Party und guter Laune durch die Lande zu schlagen, einen rauschenden Abend bescherten. 

So gesehen kam uns die Weiterfahrt in die ukrainischen Karpaten als Kontrastprogramm sehr gelegen. In manchen Dörfern scheint die Zeit still zu stehen, die Landschaft ist wunderschön und da uns jemand die Adresse eines Ökotourismus-Bauern gegeben hatte, haben wir einen kleinen Einblick in das ukrainische Landleben gewinnen können. Wir haben in erster Linie die Idylle dort wahrgenommen, die andere Seite ist natürlich jede Menge harte Arbeit. Was die Eigentümer nicht davon abgehalten hat, sich quasi ununterbrochen um unser Wohl zu kümmern. Und um Gottes Willen sollten wir nicht im Zelt schlafen, es hatte doch geregnet. Naja, wir werden jedenfalls auf unserer Reise vermutlich keinen Schlafplatz mehr finden, der an den Heuschober von Iwan und Alena herankommt…

 Bester Schlafplatz ever!!

Frühstück beim ukrainischen Bauern (Koch, Fremdenverkehrsexperten, Bademeister und Ernährungswissenschaftler in Personalunion)


Und dann ging es auch schon weiter in Richtung Rumänien. Eine klitzekleine Grenze mitten in den Karpaten, vielleicht 20 Autos vor uns in der Schlange, aber diesmal haben wir 3 Stunden gebraucht. Auf rumänischer Seite war es dann allerdings ganz nett, weil alle so viel Spaß an unserem Auto hatten. Wir waren dann auch die Einzigen, die vor den Augen der kichernden Zöllner und ein paar anderen interessierten Unbeteiligten unser Gepäck präsentieren mussten. Und die, offensichtlich nur wegen des Unterhaltungswerts aufgefordert wurden, die Motorhaube zu öffnen, was für allseits grinsendes Kopfschütteln gesorgt hat. Dabei haben die hier wirklich selber richtig merkwürdige alte Fahrzeuge.

Historisches meets prähistorisches Fahrzeug

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