Und schon haben wir mit leisem Bedauern die Ukraine hinter
uns gelassen, haben mit Lviv und den Karpaten natürlich nur einen kleinen
Eindruck bekommen und hätten dort gut & gerne noch eine ganze Weile herum
reisen können. Aber so ist das eben auf der Durchreise.
Angefangen haben wir in Lviv (Lemberg), nach einen überraschend
schmerzlosen Grenzübertritt aus Polen. Die 80 Kilometer von der Grenze aus
haben kaum gereicht, um uns an die ukrainischen Verkehrsgepflogenheiten zu
gewöhnen. Gewöhnungsbedürftig war auch der Campingplatz, im Internet gepriesen
als Hotspot direkt an der Rennbahn gelegen, wo man morgens den edlen
Vollblütern beim Training zusehen könne. Das war allerdings in der Zeit vor der
EM, danach hat in mancherlei Hinsicht in der Ukraine eine neue Zeitrechnung
begonnen. Das letzte Rennen dort hat vor vier Jahren stattgefunden, die ganze
Anlage lag brach und verströmte diese unvergleichlich gruselige Atmosphäre
verlassener Vergnügungsparks.
Camping "Hotel Jockey"
Lviv dagegen ist wirklich schön, trägt seine bisweilen
bröckelnde Pracht mit Würde, ist lebendig, freundlich, pulsierend und das
genaue Gegenteil dieser aufwändig restaurierten Städte, die wie Puppenstuben
für Touristen wirken. Die Altstadt um den Markt herum lässt sich gut an einem
Tag besichtigen, uns hat besonders die Oper gefallen. Tragisch die Geschichte
dahinter: der Architekt hat seinerzeit für seinen schwülstigen Innenausbau
derart herbe Kritik einstecken müssen, dass er sich im Forum erschoss.
Gut, ein bisschen überladen wirkt es schon ...
An unserem zweiten Abend ging dann auch noch unser Wunsch in
Erfüllung, dass sich doch bitte noch andere Camper auf unseren Platz verirren
möchten, und seien es Wohnmobilrentner aus Deutschland. Letztere waren es dann
zwar nicht, dafür durften wir die Bekanntschaft von Janusz und Tobi machen,
zwei Jungs wie angereichertes Uran (der Vergleich passt so schön, weil sie
Tschernobyl auf ihrer Reiseroute stehen hatten), deren Blog Joint Adventures
treffender nicht hätte benannt werden können und die uns, während sie dabei
waren eine Schneise aus Party und guter Laune durch die Lande zu schlagen,
einen rauschenden Abend bescherten.
So gesehen kam uns die Weiterfahrt in die ukrainischen
Karpaten als Kontrastprogramm sehr gelegen. In manchen Dörfern scheint die Zeit
still zu stehen, die Landschaft ist wunderschön und da uns jemand die Adresse
eines Ökotourismus-Bauern gegeben hatte, haben wir einen kleinen Einblick in
das ukrainische Landleben gewinnen können. Wir haben in erster Linie die Idylle
dort wahrgenommen, die andere Seite ist natürlich jede Menge harte Arbeit. Was
die Eigentümer nicht davon abgehalten hat, sich quasi ununterbrochen um unser
Wohl zu kümmern. Und um Gottes Willen sollten wir nicht im Zelt schlafen, es
hatte doch geregnet. Naja, wir werden jedenfalls auf unserer Reise vermutlich
keinen Schlafplatz mehr finden, der an den Heuschober von Iwan und Alena
herankommt…
Bester Schlafplatz ever!!
Frühstück beim ukrainischen Bauern (Koch, Fremdenverkehrsexperten, Bademeister und Ernährungswissenschaftler in Personalunion)
Und dann ging es auch schon weiter in Richtung Rumänien.
Eine klitzekleine Grenze mitten in den Karpaten, vielleicht 20 Autos vor uns in
der Schlange, aber diesmal haben wir 3 Stunden gebraucht. Auf rumänischer Seite
war es dann allerdings ganz nett, weil alle so viel Spaß an unserem Auto
hatten. Wir waren dann auch die Einzigen, die vor den Augen der kichernden
Zöllner und ein paar anderen interessierten Unbeteiligten unser Gepäck
präsentieren mussten. Und die, offensichtlich nur wegen des Unterhaltungswerts
aufgefordert wurden, die Motorhaube zu öffnen, was für allseits grinsendes
Kopfschütteln gesorgt hat. Dabei haben die hier wirklich selber richtig
merkwürdige alte Fahrzeuge.
Historisches meets prähistorisches Fahrzeug
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