Da im Iran komischerweise immer gerade jemand auf der
Leitung stand, wenn wir einen Blog online stellen wollen, hinkt der Blog mittlerweile
kräftig hinter den Ereignissen her, und deshalb sagen wir jetzt mal, dass wir Georgien
und Armenien bei passender Gelegenheit nachreichen. Wir sind eh in einem Rutsch
durchgefahren und auf dem Rückweg passiert da sicher auch noch mal was.
Und schon sind wir wieder beinahe up to date. Der
Grenzübergang war, nachdem wir die Armenier erstmal hinter uns hatten (und das
petze ich noch schön im Armenienpost, oh ja!), auf iranischer Seite überraschend
entspannt. Trotz jeder Menge Papierkram, waren wir nach einer Stunde durch. Was
nicht zuletzt daran lag, dass man uns sozusagen bei der Hand genommen, uns zu
den unterschiedlichen Schaltern geleitet und uns abschließend in einen
klimatisierten Wartesaal verfrachtet hat, während das Carnet de Passage
glücklicherweise gänzlich ohne unser Zutun bearbeitet wurde. Fertig. Welcome to
Iran!
Den Satz haben wir das erste Mal gehört, als wir an der
Grenze noch nicht ganz aus dem Auto ausgestiegen waren, uns daraufhin mit
irgendwelchen Unbekannten zu unserem ersten gemeinsamen Foto um die Ente
gruppierten und anschließend noch ein kleiner Junge herbeigezerrt wurde, auf
dass wir ihm die Hand schütteln sollten. Er wollte zwar nicht, aber außer ihm
und uns hat das niemanden interessiert. Und so setzt es sich seitdem fort.
Womit sich hier nur die Frage stellt, wie viele Beispiele es braucht, um diese
unfassbare Offenheit, Freundlichkeit, Neugier und Gastfreundschaft, die uns
hier entgegen gebracht wird, zu beschreiben.
In Tabriz beispielsweise, unserem ersten Stop sind wir erst
mal zur Touristeninformation gegangen, die im Reiseführer als eine der besten
und freundlichsten im
Iran gepriesen wurde. Leider war Freitag, woran wir nicht gedacht hatten, und da hat hierzulande jede auch noch so freundliche Touristeninformation geschlossen. Was nicht weiter schlimm war, schließlich sind wir mit zwei Iran-Reiseführern bewaffnet. Unser Rückzug wurde dann aber von einem Herrn verhindert, der Kolja sein Handy in die Hand drückte und ihn nachdrücklich ermunterte, hinein zu sprechen. Wie sich herausstellte, hatte er einen der Angestellten angerufen, der uns bat, in einer halben Stunde wieder zu kommen, er sei dann für uns da. Und der unsere Einwände, dass dies wirklich bitte nicht nötig sei, nicht gelten ließ und eine halbe Stunde später da war.
Iran gepriesen wurde. Leider war Freitag, woran wir nicht gedacht hatten, und da hat hierzulande jede auch noch so freundliche Touristeninformation geschlossen. Was nicht weiter schlimm war, schließlich sind wir mit zwei Iran-Reiseführern bewaffnet. Unser Rückzug wurde dann aber von einem Herrn verhindert, der Kolja sein Handy in die Hand drückte und ihn nachdrücklich ermunterte, hinein zu sprechen. Wie sich herausstellte, hatte er einen der Angestellten angerufen, der uns bat, in einer halben Stunde wieder zu kommen, er sei dann für uns da. Und der unsere Einwände, dass dies wirklich bitte nicht nötig sei, nicht gelten ließ und eine halbe Stunde später da war.
Solche oder ähnliche Erlebnisse haben wir immer wieder. Die
Leute freuen sich einfach über Besuch in ihrem Land, lächeln uns zu, grüßen,
wollen immer wieder wissen, wie es uns gefällt. Man merkt deutlich, dass nicht
so sehr viele Touristen hier her kommen (was sich allerdings sicher in Isfahan,
Yazd und Teheran ändern wird), und dass wir hier gerne gesehen sind, liegt
möglicherweise nicht nur an orientalischer Gastfreundschaft, ganz sicher nicht
an uns als Person, bestimmt aber auch daran, dass das Auftauchen von Touristen
in einem Land, welches schwer an seinem schlechten Image trägt, immer auch ein
Zeichen von Normalität und Wertschätzung ist.
Auf unseren Fahrten durchs Land nimmt
diese Willkommenskultur zum Teil groteske Formen an. Wir haben uns mittlerweile
fast die Hände aus den Gelenken gewinkt, sind unfassbar oft fotografiert und
gefilmt worden und haben ein paar ziemlich abenteuerliche Manöver mit anderen
Autofahrern, die unverdrossen dorthin ziehen, wo sie gerade hinsehen (also
geradewegs auf uns zu), hinter uns. Manche versuchen uns für ein Foto
rauszuwinken, aber dazu haben wir dann tatsächlich, bei mittlerweile 40 Grad
nicht immer Lust. Einmal, als wir trotzdem stehen geblieben sind, nachdem eine
nett aussehende Familie einfach nicht locker ließ und uns am Ende eine volle
Tasse Tee aus dem Beifahrerfenster entgegen gestreckt hielt, hat uns dies neben
einem Kurzpicknick auf dem Seitenstreifen (Tee, Kuchen, Kartoffelchips mit
Zitronengeschmack) direkt eine Einladung nach Orumiyeh an der türkischen Grenze
beschert. Da fahren wir zwar nicht lang, hat uns aber trotzdem gefreut.
Ansonsten ist das mit der Fahrerei hier so eine Sache.
Einerseits ist die Landschaft hier wirklich oft wunderschön und wir genießen
die Unabhängigkeit, die ein eigenes Fahrzeug so mit sich bringt und ändern
ständig unsere Reiseroute. Andererseits fahren die hier wie die Irren.
Obendrein ist es bisweilen sehr, sehr heiß. Ab einer bestimmten Temperatur, die
irgendwo kurz vor 40 Grad liegt, hört erfahrungsgemäß der Fahrtwind auf zu
kühlen und verwandelt sich in ein Heißluftgebläse. Das brauchen wir aber
eigentlich gar nicht, denn das haben wir eh schon im Wageninneren, weil wir, um
die Hitze aus dem Motorraum abzuführen mit aufgedrehter Heizung fahren.
Darunter leidet natürlich der Fahrkomfort, aber wir wollen die Ente um jeden
Preis bei Laune halten. Und nicht nur wir ächzen unter der Hitze. Der Kleber,
der die Scheinwerfergläser an den Reflektoren festhält, geht allmählich in die
Knie, angegessene Melonen, die man sowieso nie ganz schafft, wirft man
tunlichst gleich weg, und auch einen äußerlich völlig intakt erscheinenden
Labello macht man besser gar nicht erst auf.
Und dann sind wir ja auch noch flächendeckend bekleidet. Also,
vor allem ich. Im Grunde ist das nicht weiter problematisch, nur in manchen
Situationen ist das Kopftuch für einen Amateur wie mich eine, sagen wir,
Herausforderung. Bei Wind zum Beispiel. Oder in Hotelzimmern ohne eigenes Bad,
was uns sonst nicht weiter stört. Wenn man aber, weil man nachts im Bad mal
nach dem Rechten sehen möchte, erst eine halbe Stunde zum Anziehen braucht, ist
das schon wahnsinnig lästig. Außerdem habe ich eine mir bisher unbekannte Form
der Schaufensterkrankheit entwickelt, zumindest kann ich mich nicht daran
erinnern, früher zwanghaft mein Spiegelbild kontrolliert zu haben.
| Picknick auf der Autobahn |
| Trotz Schminkverbots benutzen viele iranische Frauen Amy-Winehousemäßig viel Eyeliner. Bei der Ente handelt es sich dagegen um Panzertape, welches die Scheinwerfergläser am Rausfallen hindert. |
| Und hätte ich zwei Sonnenbrillen mitgenommen, hätte ich eine davon aufsetzen können |
Jetzt wäre es langsam mal an der Zeit, mit den
Sehenswürdigkeiten anzufangen, aber da es davon so viele gibt, dass ich gar
nicht weiß, wo ich anfangen soll, verschieben wir das auf den nächsten Post.
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