Freitag, 23. September 2016

"Ich hoffe, dass Sie die Türkei in guter Erinnerung behalten..."

...waren die Worte, die mir der Besitzer eines Lebensmittelgeschäfts eines Morgens mit auf den Weg gab. Die vorangegangenen vier Tage Dauer-Unwetter hatten allerdings bis dahin erfolgreich verhindert, auch nur ansatzweise irgendwelche erinnernswerten Eindrücke zu sammeln. Das ganze Geschehen hatte sich bis dahin auf das immer dumpfiger werdende Innenleben einer feuchtkalten Ente, eine gleichermaßen quitschnasse wie unansehnliche Türkei jenseits der Windschutzscheibe (was für ein Jammer, wo die Schwarzmeer-Küste eigentlich so schön ist) und das Hotelzimmer am Ende des Tages reduziert. Ich bin zum Teil nicht mal mehr für das Abendessen vor die Tür gegangen, geschweige denn, um mir irgendetwas anzusehen, und wenn ich so darüber nachdenke, bin ich während meiner gesamten Zeit in der Türkei sicher keine fünf Kilometer zu Fuß gelaufen.

Ausgebremst vom Wetter und in diesem Falle einer sehenswerten Ampel
Kein gutes Foto, zugegeben. Aber da es so schwer war, die kurzen Gelbphasen zu erwischen, wo man noch gleichzeitig fahren und rechts und links freundlich grüßen musste, bin ich doch stolz darauf.
Nun ja, es waren schließlich auch ein paar Kilometer zu fahren, wenngleich ich die Türkei nicht so groß in Erinnerung hatte. Allerdings war ich hier auch noch nie mit einem so langsamen Fahrzeug unterwegs. Und irgendwann war es dann auch mit der Fahrerei vorbei, weil genau das eingetreten war, was ich schon im Geiste die ganze Zeit lang missmutig vor mich hin orakelt hatte: eine Schlammlawine war auf die Straße gerutscht, welche daraufhin erst wieder ausgegraben werden musste, so dass mir nichts weiter übrig blieb, als in den letzten Ort zurück zu fahren, der glücklicherweise ein Hotel hatte, und über Whatsapp bei meinen Lieben schlechte Laune auszudünsten.

Abrutsch
Und dann saß ich also am nächsten Morgen in dem Lebensmittelgeschäft, wo ich eigentlich nur schnell Proviant holen wollte, hatte einen Tee bekommen, war auf einen Stuhl verfrachtet worden und unterhielt mich gemütlich mit dem Besitzer über seine Zeit als Bergmann in Dinslaken, mit dem sehr jungen Imam des Ortes über seine Imamausbildung, irgendwann schneite noch der Tankwart herein, der am Vortag mit seinen Französischkenntnissen den Polizisten beigestanden hatte, die versuchten hatten, mir zu begreiflich zu machen, dass die Fahrt nicht weiter geht...

...und hätte da noch stundenlang sitzen können, denn die Welt war wieder in Ordnung, draußen schien obendrein die Sonne und natürlich werde ich die Türkei in guter Erinnerung behalten.


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