Das haben weder Georgien noch Armenien verdient, wie
siamesische Zwillinge zusammengewachsen in einem kümmerlichen Post hinweggebloggt zu
werden, zwei wunderschöne Länder, die jedes für sich eine ganze lange Reise
wert sind…
...aber ich mach es trotzdem. Auf dem Hinweg hatten wir es eilig, weil wir so schnell wie
möglich in den Iran wollten. Und so sind wir durchgefahren, haben uns abends
irgendeine Unterkunft am Straßenrand gesucht, morgens schnell was eingekauft
und weiter ging´s, kaum, dass wir mal nach rechts oder links geguckt hätten. An
der georgischen Grenze hat zum ersten Mal das H-Kennzeichen für Irritationen
gesorgt, das sich offenbar nicht in das dafür vorgesehene Feld im Computer
eingeben ließ. Bis man es irgendwann eben weggelassen hat, geht ja auch. An der
armenischen Grenze hat dann auch alles andere, was im Fahrzeugschein steht für
Irritationen gesorgt, weil dort alles Mögliche von Hand irgendwie unter Schmerzen in
den PC eingegeben werden muss, was der Beamte aber in dem Dokument nicht
findet, weil er es auf Deutsch nicht lesen kann, sich irgendwann durchringt und
werweißwas eintippt, einen Stapel Papier ausdruckt, den man unterschreibt,
obwohl man nichts davon auf Armenisch lesen kann, und irgendwann, zwei Stunden,
mehrere Stromausfälle, eine leere Druckerpatrone und neun Schalter später (ich
hab mitgezählt), umgerechnet etwa 50 Euro ärmer und so gut gelaunt wie Uli
Hoeneß nach einem Vorrunden-Aus der Bayern in der Championsleague, darf man einreisen. Und da kann dann auch die Landschaft erstmal machen was sie will,
bevor man wieder einigermaßen versöhnt ist.
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| Na komm, Schwamm drüber...! |
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| Wild campen am Fluß |
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| Passt so eben... |
Gerade ertappe ich mich dabei, wieder einmal über das Autofahren schreiben zu wollen, aber das macht ja auch einen nicht unerheblichen Teil unserer Reise
aus. Also, die Georgier sind bisher die unangefochtenen Spitzenreiter in
Überholmanövern, die irgendwo zwischen sportlich und suizidal liegen. Das
scheint auch nicht immer zu klappen, was wir aus den zahlreichen Autowracks
neben den Straßen schließen. Die Armenier sind da ganz anders, aber rasen kann
man auf den Straßen hier auch wirklich nicht. Auf dem Rückweg hatten wir uns
mal ein bisschen in den Bergen verfranzt, und bei der Gelegenheit ein paar
nette Leute getroffen, von denen einer sagte, er könne bis zu dem Ort zu dem
wir wollten vor uns her fahren. Darauf folgte noch eine wortreiche Diskussion,
die wir nicht verstanden und in deren Verlauf immer wieder unter unser Auto
geguckt wurde. Erst, als wir dann losgefahren waren wurde uns allmählich klar,
dass man wohl die Bodenfreiheit diskutiert und am Ende für ausreichend befunden
hatte. Und bis auf ein Bremslicht, das den Ausritt leider nicht überstanden hat
können wir festhalten, dass die Ente auch voll bepackt noch absolut
offroad-tauglich ist.
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| Auf dem Weg zum Haghpat-Kloster |
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| Angekommen... |
Auf dem Rückweg sind wir dann auch nach Yerevan und Tiflis gefahren,
und die Städte zeigen deutlich, wie zentralisiert beide Länder sind. Hier
spielt sich einfach alles ab, administrativ, kulturell, hier sitzt das ganze
Geld, die beiden sind die Perlen, der Rest ist die Auster. Batumi
beispielsweise als immerhin zweitgrößte Stadt Georgiens kann man dagegen
getrost vergessen. Dafür ist die Landschaft wirklich oft atemberaubend schön,
und es gibt sehr viele ähnlich sehenswerte Klöster, wie das von Haghpat. Das vermutlich am schönsten
gelegene Kloster in Tatev in Armenien, welches auch noch genau an unserer Route
lag, haben wir dann aber aus dem gleichen Grund verpasst, wie das UFO in
Bulgarien; es hatte sich so dermaßen in eine dicke Wolke gehüllt, dass wir
nicht hinfahren konnten.
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| Dafür schien in Yerevan die Sonne. Im Hintergrund kann man den Ararat sehen. |
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| A propos Ararat... |
Der Ararat ist das Nationalsymbol der Armenier schlechthin; und einfach alles ist nach ihm benannt, seien es Hotels, Bier, Cognac, Busunternehmen, Zigaretten, eine Stadt usw. Seinerzeit war er auch im Staatswappen der Armenischen SSR abgebildet, woraufhin es einmal mehr kräftigen Ärger mit der Türkei gab, die mit dem Hinweis protestierte, dass der Ararat auf türkischem Territorium liege und von daher nicht von einem anderen Land wappentechnisch vereinnahmt werden dürfe. Was wiederum den damaligen sowjetischen Außenminister Gromyko auf den Plan gerufen hat, wie die Türken dann dazu kämen, den Mond in ihrer Flagge zu führen...Nun ja, ein äußerst schwieriges Verhältnis, weswegen wir auch über Georgien fahren mussten, denn es gibt zwischen Armenien und der Türkei keinen Grenzverkehr.
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| Davon abgesehen ist Georgien auch sehr schön... |
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| ...und die georgische Schrift sieht nicht nur klasse aus, man kann sie sich auch ganz gut erschließen. |
Von Tiflis aus ist Kolja dann für eine Woche nach
Deutschland geflogen um ein paar Dinge zu regeln, in Sofia treffen wir uns wieder
für die letzte Etappe und ich fahre das Stück durch die Türkei alleine. Leider hat sich mit ihm auch das gute Wetter verabschiedet, und als hätte ich mich nicht schon über
Nieselregen beschwert, jagt hier ein Wolkenbruch den nächsten. Gestern hat
mir jemand an der Tankstelle von eingestürzten Brücken und weggerissenen Autos
erzählt, und das, wo ich doch konsequent Campingurlaub an der Schwarzmeerküste
machen wollte.
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| Wenn sich das Unwetter zwischendurch mal ein bisschen weiter draußen austobt, sieht es auch ganz schön aus. Sonst nicht. |
Stattdessen bin ich gerade in einem viel zu teuren Hotel
gelandet, aus dem ich nie wieder weg möchte, und wenn es nicht meinen
Vorstellungen von Reise, Abenteuer und der Freude an der Besinnung auf das
Notwendige so dermaßen widersprechen würde, würde ich mich jetzt darüber
auslassen, wie herrlich frisch gewaschene, weiße, raschelnde Bettwäsche ist,
ein Kopfkissen, dass nicht von denen kündet, die allesamt vorher darauf
geschlafen haben, Handtücher, ganz für mich alleine, ein Boden, über den man
barfuß laufen kann ohne sich einen Haufen Krümel oder womöglich Schlimmeres einzutreten, und als Krönung eine Badewanne
(die zu benutzen ich allerdings verlernt zu haben scheine, jedenfalls ist mir
erstmal mein Handy rein gefallen).
Naja, muss auch mal sein!
Liebe Barbara,
AntwortenLöschenIch glaube, das vor Jahren sinngemäß schon mal geschrieben zu haben: Du schreibst wirklich zum Verlieben. Ein wunderbares Vergnügen, Deine Texte zu lesen.
Ich würde genau kein bisschen mit Euch tauschen wollen, aber Deine Berichte zu lesen ist ja fast, wie mitgefahren zu sein... also...fast fast...
Viele Grüße aus Bonn
Klaus