Sonntag, 26. Februar 2017

Indian fast forward

Jetzt sitzen wir also wieder im Flieger, Kathrin auf dem Weg nach Hause, Elsen und ich auf der letzten Etappe nach Sydney. Und je schlimmer man sich langweilt, desto weniger Lust hat man zu bloggen, und ihr dürft mir glauben, dass ich mich gerade sehr zusammen reiße!
Da war Indien dann also ganz plötzlich vorbei. Seit Amritsar sind wir wie die Irren durch die Gegend gefahren und haben so viele Eindrücke auf uns runterprasseln lassen, dass auch die Woche Goa nicht ausgereicht hat, das Ganze zu sortieren. Deswegen geht hier jetzt also alles ein bisschen durcheinander, auf jeden Fall sind wir erstmal mit dem Nachtzug nach Delhi zurück gefahren, wo wir schon von Jaipal, unserem Fahrer erwartet wurden. Und zwar viele Stunden lang, denn der Zug hatte mordsmäßig Verspätung, so dass wir dann auch nicht mehr, wie geplant, Jaipals Familie, die uns eingeladen hatte besuchen konnten, sondern mit Vollgas nach Agra durchgefahren sind. Denn Indien ohne Taj Mahal geht ja nicht, aber da schon Donnerstag Nachmittag war, und das Taj freitags geschlossen hat, ist das Ganze in eine ziemliche Hauruck-Aktion ausgeartet…

Hat dann aber doch noch geklappt...


...und außerdem konnten wir es auch vom Hotel aus sehen.

Orientiert haben wir uns in unserem Viertel allerdings immer an einem anderen großen Gebäude, welches direkt hinter unserem Hotel lag und von dem wir überrascht waren, dass es so etwas überhaupt noch gibt: einer Lepraklinik.
Am nächsten Morgen sind wir dann tapfer weiter nach Jaipur gefahren, von dort aus nach Puschkar und dann weiter nach Udaipur...

Auf dem Weg nach Jaipur haben wir noch in Fatehpur Sikri angehalten...

...einer seit langer Zeit verlassenen ehemaligen Mogul-Hauptstadt...


...in der bis heute Kricket gespielt wird.


Im Amber Fort bei Jaipur....

...wird, wie bei meinem letzten Besuch vielerorts restauriert.

Man kann auch, bei einer etwas unbekümmerten Einstellung zum Tierschutz, auf angemalten Elefanten dort einreiten.
Den Palast der Winde konnte man nur von außen besichtigen, weil dahinter an der Metro gebaut wird. War uns ganz recht, schließlich ist er ja ohnehin nicht viel mehr als eine Fassade, hinter der sich seinerzeit die Damen des Hauses unauffällig ansehen konnten, was gerade in der Stadt so los war.

Gemüseverkäuferinnen in der heiligen Stadt Pushkar, hier wird überhaupt kein Fleisch gegessen.
Überall Tempel...
...und Ganeshas an jeder Ecke. Und Kathrin hat sie allesamt fotografiert.
Indischer LKW, schön bunt.

Udaipur, schön weiß.

Und dann Goa, sozusagen als Nachtisch mit Kokos und Schirmchen. Und ich kann vorweg nehmen, dass wir unseren Entschluss, hier jetzt einfach mal gar nichts mehr zu machen und all unsere Energie darauf zu konzentrieren, faul am Strand herum zu liegen und soviel Lemon Soda zu trinken, dass er uns ein Loch in die Magenschleimhaut brennen möchte, erschreckend konsequent umgesetzt haben. Das hat auch zur Folge, dass dieser Post hier jetzt ganz schnell zu Ende ist, denn erstens ist nichts passiert und zweitens kann ein Hirn, das sich eine Woche lang untätig im Liegestuhl gesonnt hat irgendwann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die einzige Abwechslung waren die kapitalen Wasserbüffel, die hin und wieder an den Strand zum Baden geführt wurden, was jedes Mal ein großes Hallo gab. Besonders bei diesem hier, der, sei es aus Aufregung, sei es aus Entspannung, erstmal einen kapitalen Wasserbüffelfladen ins Meer klatschen ließ. Vielleicht wollte er auch einfach nur seine Ruhe, und die hatte er buchstäblich schlagartig. So macht man das!

Die 4 Schwimmer im Hintergrund haben da was nicht mitgekriegt...

Womit wir Indien verlassen...

...und in Australien auf den einen oder anderen Kontrast stoßen werden!

Montag, 13. Februar 2017

Amritsar oder the origin of Monty Pythons Ministry of silly walks

Amritsar also. Mein persönliches Highlight, hier möchte ich schon seit Jahren hin. Und ich würde gerne sagen, dass es wegen des Goldenen Tempels, dem Heiligtum Nummer eins der Sikh so weit oben auf der Reisezielwunschliste stand, denn der ist wirklich wunderschön und sehr beeindruckend. Und soll deswegen auch als Erster bepostet werden. Wir sind also morgens tapfer um halb sechs aufgestanden, denn bei Sonnenaufgang soll der Tempel am schönsten sein. Das würde ich gerne bestätigen, aber leider hat es an dem Tag ein bisschen geregnet. War aber nicht schlimm, denn das Wetter, bei dem der Goldene Tempel nicht schön aussieht, hat noch keiner erfunden.



Das alleine wäre jedoch trotzdem noch kein Grund gewesen, die lange Reise an die pakistanische Grenze anzutreten. Die Aussicht auf das absurdeste Theater, welches Indien zu bieten hat dagegen schon. Man stelle sich vor: zwei auf schönste nachbarschaftliche Weise verfeindete Nuklearmächte treffen sich allabendlich an einem ihrer Grenzübergänge, um zur Gaudi des Publikums auf beiden Seiten, welches das Spektakel auf eigens errichteten Tribünen verfolgt, die Schließung der Grenztore zu zelebrieren. Und zwar im Rahmen einer Darbietung, die gleichermaßen dadurch beeindruckt, dass beide Seiten so gut auf einander abgestimmt sind und die dabei völlig (ja, liebe Inder, sein wir mal ehrlich), aber völlig bescheuert aussieht. Hier ein kleiner Ausschnitt:


Das Publikum wird schon Stunden vorher eingepeitscht, und gegen die dortige Stimmung ist ein WM-Finale ein Kaffeekränzchen. Und irgendwann ist es dann vorbei, die Tore zugeschmettert, die Fahnen eingeholt, die Münder der Touristen wieder zugeklappt und alle fahren nach Hause. Oder, wie in unserem Fall mit dem Nachtzug zurück nach Delhi und von dort mit Taxi und Fahrer wie die Irren weiter durch Nordindien. Und übermorgen fliegen wir reizüberflutet bis über beide Ohren nach Goa, um uns mal ein bisschen zu sortieren. Von dort aus melden wir uns dann mal ein bisschen ausführlicher, aber der Post hier musste vorher noch schnell raus.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Indien - die Erste

I told you not to eat in the cheap restaurants!!!“, schnauzte unser Fahrer drauflos, als wir zu dritt mit frisch ausgebrochenem Delhi-Belly, dem hiesigen Euphemismus für Brechdurchfall, auf sein Taxi zugewankt kamen. Und ich hatte gerade noch genug Energie, mich leise darüber zu ärgern, wo hätten wir schließlich sonst essen sollen in Paharganj, Neu Delhis Backpacker und Abzockerviertel schlechthin, in dem wir bis dahin ja auch eine Menge Spaß hatten. Die Aussicht auf die bevorstehende siebenstündige Fahrt nach Rishikesh war jedoch derart unerfreulich, dass man sich an solchen Kleinigkeiten kaum aufhalten konnte. Und um Allen weitere Einzelheiten zu ersparen: das einzige Gute daran war, dass sie irgendwann vorbei war. Aber der Reihe nach.
Zunächst Mal: gebloggt wird hier über eine dreiwöchige Reise durch Nordindien, die wir zu dritt (Kathrin, Elsen und ich) unternehmen, danach reisen Elsen und ich weiter nach Australien und dann...Mal sehen.


India Gate

Das Ganze war schon irgendwie ein bisschen ruckelig losgegangen. Der Flug von Düsseldorf nach Moskau mit Aeroflot noch vollkommen schmerzfrei, danach aber eine Nacht Verspätung, weil in Delhi schlechte Sicht. Darüber mochten uns auch die Essensvoucher der Airline nicht so recht hinweg trösten, erschwerend kam noch hinzu, dass der Flughafen Scheremytewo über keinen Raucherraum verfügt, was man auch als Nichtraucher sehr schade findet, wenn man mit zwei leidenschaftlichen Rauchern unterwegs ist. Irgendwann war dann aber auch die Wartezeit überstanden, ebenso der Flug nach Delhi, ebenso die endlos lange Passkontrolle, ebenso die Warteschlange am Moneyexchange und so fanden wir uns entsprechend gebügelt in unserem Hotel in besagtem Stadtteil ein. Und ich bringe es einfach nicht fertig, schlechte Bewertungen bei Booking.com zu hinterlassen, wenn die Leute freundlich sind, auf Wunsch sofort das Bett doch noch frisch beziehen, die altgediente Tagesdecke liebevoll zu einer Art Tortellini falten, die sicher auch noch das Klo geputzt hätten, hätten wir einen entsprechenden Wunsch geäußert, aber ganz unter uns: Hotel „Woodland“…nicht hingehen!!! Unter gar keinen Umständen!




Diesem Umstand war dann auch geschuldet, dass wir nicht, wie ursprünglich geplant, erstmal ein bisschen Schlaf nachholen wollten, sondern statt dessen lieber umgehend die Stadt erkunden gingen. Und so haben wir in den knapp zwei Tagen in Delhi wirklich eine ganze Menge gesehen, sämtliche Inlandsreisen mit Zug, Taxi oder Flieger gebucht, ebenso alle Hotels bis auf das in Goa, eine indische Sim-Karte organisiert und, ja und uns eben auch irgendwo was Fieses eingefangen. Und das, wie gesagt nach nur zwei Tagen, aber wir hatten ja auch nicht viel Zeit in Delhi.



Paharganj bei Nacht
Teil vom Roten Fort, das man sowieso nie ganz draufkriegt
Grab von Mahatma Gandhi
Delhi Blütentraum
Allgegenwärtig: Delhi ist schon wahnsinnig dreckig

So waren wir dann also wieder unterwegs. Und waren wir in Delhi auch noch so derangiert angekommen, war das nichts gegen unseren Einzug in Rishikesh. Unser Fahrer war, nachdem sein anfänglicher Zorn über unsere Ignoranz seinen zugegebenermaßen guten Ratschlägen gegenüber verraucht war, zunehmend mitfühlend und vielleicht sogar ein bisschen besorgt. Jedenfalls erklärte er uns, als wir endlich angekommen waren, dass er sich um die Rucksäcke, ebenso wie um den Check-In kümmern würde, wir sollten doch bitte einfach nur auf unsere Zimmer gehen. Und diesmal waren wir dann auch gerne bereit, auf ihn zu hören, sind zur Strafe für den Rest des Tages auf den Zimmern geblieben und ohne Abendbrot ins Bett gegangen.


Eines der wenigen Fotos von der Fahrt, nun ja.

Am nächsten Tag ging es dann aber wieder so einigermaßen, und so haben wir ein paar sehr dosierte Ausflüge in die Stadt und die Umgebung unternommen. Nach der Luft in Delhi (Elsen: “Man will sie gar nicht einatmen, aber es gibt ja keine andere.“) war Rishikesh eine einzige Wohltat. Auch die Gegend ist ganz schön, schon bergig, und der Ganges, der frisch und nichts Böses ahnend aus dem Himalaya geflossen kommt, sieht dort noch aus, wie ein heiliger Fluss aussehen sollte. Rishikesh selber wird seinem Beinamen „Yoga – Las Vegas“ unserer Meinung nach vollkommen gerecht, und so hat es uns dort schon gut gefallen, war aber in erster Linie interessant. Und da wir ohnehin nicht vorhatten, an einer der unzähligen Yoga classes, Indian cooking classes, Indian music classes usw teilzunehmen, haben uns die beiden Tage dort gereicht, auch wenn wir uns in einem Tempo bewegt haben, wie seinerzeit Beuys, als er mit Eisenschuhen an den Füßen einem toten Hasen Bilder erklärt hat.



Rishikesh


Rafting auf dem Ganges - ein bisschen Verschnitt ist ja immer...


Ghat in Haridwar

Also ging es, da es keine direkte Zugverbindung gibt, mit dem Auto (und einem kleinen Abstecher nach Haridwar) zurück nach Delhi und von dort in den Nachtzug nach Amritsar. In dem wir uns gerade befinden. Und ich habe schon ein paar indische Züge gesehen, aber der hier…mein lieber Mann! Der Blogger ist hier klar im Vorteil, kann man doch die Zeit, in der man den Gedanken an Schlaf ohnehin getrost vergessen kann, immerhin noch sinnvoll nutzen. Jetzt muss nur noch das WLAN im Hotel in Amritsar funktionieren, dann kriege ich den Post hier auch raus. Bis dahin erstmal gute Nacht!














Montag, 30. Januar 2017

Weißrussland

 Um mich vor der Indienreise wieder ein bisschen warm zu bloggen, und um meine rucksackkompatible Silikontastatur mal auszuprobieren kommt hier ein kurzer Post über einen viel zu kurzen Ausflug nach Weißrussland.



„Ich bin Touristin.“ Auf diesen Satz habe ich noch nie eine derart sarkastisch-prustende Reaktion erfahren, wie heute bei meinem ersten Frühstück im Hotel von meinem Tischnachbarn, einem griechischen Geschäftsmann, der seiner Laune nach zu urteilen ganz offensichtlich nicht zum Vergnügen hier war. Dabei gab es zumindest am Frühstücksbüffet nicht das Geringste auszusetzen, denn vermutlich war dort alles vertreten, was in Belarus zu allen erdenklichen Frühstücksanlässen jemals auf den Tisch gekommen ist. 


Wenn ich alles hätte aufs Foto kriegen wollen, hätte ich die Panoramafunktion einschalten müssen

Nachdem ich also meinen Magen mit einer bunten Mischung aus Rote Bete Salat, Kartoffelpuffer, Bananenpfannkuchen, Tomaten mit Fischpaste und überbackenen Fleisch-Käsebrötchen überrascht hatte, konnte es auch schon losgehen. Die Stadt kennenlernen, ein bisschen orientieren (was mir schwer gefallen ist, obwohl hier eigentlich alles ganz gut beschildert ist), Jetons für die Metro kaufen, den Bahnhof und den Busbahnhof ausfindig machen, in ein paar Läden und Cafés gehen, Leute gucken...was man eben so macht um einen ersten Eindruck zu kriegen. 






Zunächst einmal fällt natürlich auf, dass Weißrussland tatsächlich ganz schön weiß ist. Und glücklicherweise gar nicht so kalt, wie ich befürchtet hatte. Was außerdem auffällt ist, dass hier den ganzen Tag lang Schnee geräumt wird, oft mit schwerem Gerät und LKWs, und wenn irgendwo der Gehweg gesperrt ist kann man sicher sein, dass sich hoch oben auf dem Gebäude nebenan jemand auf dem Dach festgebunden hat und den Schnee runter schippt. Blöderweise hat meine Handykamera einen erbärmlichen Zoom, was das Folgende eher zu einem Suchbild macht.



Ein ungewohnter Anblick für unsereinen. Was Duisburg und Minsk dagegen gemeinsam haben, ist ein für beide Städte ähnlich traumatisches Ereignis. Am Eingang zur Metrostation Nijamiha erinnert eine Tafel an die 53 Opfer einer Massenpanik, die während eines Open Air Festivals 1999 in der Station Schutz vor einem Gewitter gesucht hatten.




Und auch, wenn die Metro nur über 2 Linien und eine überschaubare Anzahl von Stationen verfügt, unterstreicht sie doch den deutlich hauptstädtischen Charakter der Stadt, die nicht, wie andere Artgenossen (Tirana, Podgorica, Pristina oder Chisinau zum Beispiel) wirkt, als sei sie zu ihrem Hauptstadtstaus gekommen wie Maria zum Kinde, sondern durchaus beabsichtigt. Wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre, dann hätte man die ganzen alten und vermutlich pittoresken Stadtviertel umsonst weggesprengt um Platz für die Magistralen zu haben.

Bahnhofsvorplatz

Leninstrasse
KGB

Um dann auch einmal aus Minsk heraus zu kommen, hatte ich mir ein Busticket nach Rahacou besorgt. Das ist eine Kleinstadt am Dnepr, eine der ältesten in Weißrussland, deren Hauptattraktion ein Milchkonservenkombinat ist und die ich mir in erster Linie deshalb ausgesucht hatte, weil sie weit genug von Minsk entfernt war, um ein bisschen was vom Land zu sehen. Und natürlich weil sie ein Kondensmilchdenkmal hat.



Der eine oder andere kennt es vielleicht unter der Bezeichnung Milchmädchen, gibts auch bei uns, und was die Attraktionen der Stadt betrifft, war es das dann auch schon fast. Aber eigentlich war es mir ja darum gegangen, etwas von Land und Leuten mitzukriegen. Und ich hatte Glück, denn es dauerte keine Viertelstunde, bis mir meine Sitznachbarin ihr Smartphone mit einem mittelgut funktionierenden Translator unter die Nase hielt, wir uns die gesamte dreistündige Fahrt über blendend unterhalten haben (und zum Glück hatte ich meinen mobilen Akku dabei), ich bei zukünftigen Besuchen in Minsk auf jeden Fall bei ihr wohnen soll und sie mir zum Abschied trotz heftiger Gegenwehr meinerseits eine große Tüte Espressobohnen geschenkt hat. Schwer zu fassen, wie nett völlig fremde Leute manchmal sind…

Eishockey im Park



Holzhauswohngebiet

Somit hatte ich von der Landschaft nicht überwältigend viel mitbekommen, fast hätte ich den Ausstieg in Rahacou verpasst (was auch nicht weiter schlimm gewesen wäre). Rahacou sieht aus, wie vermutlich fast alle Kleinstädte zwischen Warschau und Wladiwostok, sehr unaufgeregte Architektur, am Stadtrand ein paar Holzhaussiedlungen, im Zentrum Stadtverwaltung und Schule, mindestens eine Kirche (mit ein bisschen Glück mit vergoldeter Kuppel). Mit anderen Worten, es gibt wirklich keinen Grund dorthin zu fahren, aber davon überzeuge ich mich ja gerne mit eigenen Augen. Das hatte aber auch immerhin den Vorteil, dass ich nach einigen wenigen Stunden die Rückfahrt noch bei Tageslicht antreten konnte um so dann doch noch ein bisschen was von der Landschaft zu sehen...





…ein Wintermärchen! Vermutlich sieht jedes Land schön aus, wenn es mit einer glitzernden Schneedecke überzuckert ist, ich werde also irgendwann im Sommer nochmal wiederkommen müssen um mir ein Urteil bilden zu können.

Zurück in Minsk saß ich dann noch ein Weilchen in der Hotelbar herum, als mich zwei ältere Damen ansprachen, die mir unbedingt etwas mitteilen wollten, was ich aber nicht verstehen konnte. Statt dann aber irgendwann einfach aufzugeben, setzten sich die beiden an meinen Tisch, sprachen unverdrossen weiter auf mich ein, bekreuzigten sich immer wieder mit Nachdruck, und irgendwann hatte ich mit Hilfe meiner Handyfotos, Google und der pantomimischen Darbietung der beiden kapiert, dass ein wichtiger orthodoxer Feiertag anstand, das Fest der Taufe des Herrn, wie ich mittlerweile weiß. Und dass ich in den Kirchen geweihtes Wasser bekommen würde, welches in kleinen Schlucken zu trinken, das Gesicht damit zu benetzen und die Wohnung damit zu besprengen sei. Mein Einwand, dass ich nicht wirklich religiös und schon mal gar nicht orthodox wäre wurde mit einer großzügigen Handbewegung weggewischt, das sei nicht weiter schlimm, so dass ich schließlich versprach, mir das Ganze auf jeden Fall einmal anzusehen.

Schlange stehen für geweihtes Wasser auf dem Kirchplatz

Was mir die beiden netten Damen darüber hinaus ans Herz gelegt hatten, und was ich wirklich unbedingt sehen wollte, ist eine weitere Tradition, die ganz offensichtlich eng mit dem Thema Taufe verknüpft ist, aber, zumindest bei den Jüngeren eher den Charakter einer kollektiven Mutprobe mit einer Prise Volksfest hat…

Man nehme einen vereisten Fluss und eine Kettensäge....

Und dann kann es auch schon losgehen. Ich hab das dumpfe Gefühl, dass das Video nicht läuft, das Wesentliche seht ihr hier.

Man kann auf jeden Fall Spaß hier haben, mir hat Weißrussland jedenfalls gut gefallen. Und ich werde sicher nochmal wiederkommen.









Montag, 9. Januar 2017

Nachlese


Da sind wir schon seit fast einer Woche wieder zu Hause, das ging am Ende dann auf einmal ganz schnell. Und auch hier sind wir gerade sehr beschäftigt mit Wiedersehen feiern (schööööön!), Studium aufnehmen (spannend), verlorene Ausweise neu beantragen (hmpf...), mit der Ente zum Zoll um das Carnet de Passage abzuschließen (Hauptzollamt Krefeld-Uerdingen: "Ähem, das haben wir hier noch nie gemacht..."), und, und, und.
Und weil auch der Blog am Ende nicht so offen stehen bleiben soll wie die Münder der drei kleinen Jungen aus Natanz (die von Kolja wissen wollten, ob sein Septumpiercing tatsächlich ganz durch die Nase geht, woraufhin er zu Demonstrationszwecken einmal kräftg dran gezogen hat), hier ein bisschen rückblickende Statistik... 


Vorher
Nachher
Dazwischen liegen gut 14000 Kilometer, 18 Länder (wenn man Transnistrien mitzählt), 25 Grenzübergänge, 13 Währungen, 2 1/2 Stunden Zeitverschiebung und 2 Monate Fahrzeit 


Und dies hier war die Route (rot hin, grün zurück), ein bisschen frei Schnauze mit Paint auf einen Screenshot von Google Maps gemalt (und entsprechend mit Vorsicht zu genießen, was die geografische Korrektheit betrifft). Das kann man natürlich auch richtig gut machen, wie wir einer gleichermaßen umfassenden wie einschüchternden Internetrecherche entnehmen konnten, du lieber Himmel, was es da alles so gibt...





Und sonst noch? 
Mir fallen ein paar Fragen ein, die uns immer wieder gestellt wurden, also:
Wir sind diesmal tatsächlich nicht krank geworden, was mich allerdings auch wundert. Wir hatten mal ein bisschen mit der öligen Frühstücksbuchweizengrütze bei den ukrainischen Bauern zu kämpfen, aber das zählt nicht. Und einmal muss was mit dem Bier in Armenien nicht gestimmt haben, mit dem wir ausgelassen das Ende unserer iranischen Abstinenz gefeiert haben, aber das erzähle ich nicht. 

Es gab keine wirklich kritischen oder beängstigenden oder bedrohlichen oder gefährlichen Momente, oder wenn, dann haben wir sie nicht als solche wahrgenommen. Schon gar nicht im Iran oder der Türkei, die am häufigsten Anlass zu solchen Fragen gegeben haben. Durch Kurdistan oder ins Grenzgebiet zu Afghanistan fährt man eben nicht. Und wir sind uns mit vielen Langzeitreisenden einig: das größte Risiko ist immer der Straßenverkehr. In unserem Falle vielleicht noch der Fahrstuhl in unserem Hotel in Tabriz, bei dem man genau hören konnte, wenn die aufgespleißte Stelle im Stahlseil mit lautem Pling über die Rolle lief. Vor dem Ding hatten wir eine Heidenangst, obwohl wir trotzdem fast nie die Treppe genommen haben, wie auch, doch nicht bei der Hitze in den dritten Stock...

Es gab keinen Ärger mit den Offiziellen. Und zumindest bei den ukrainischen Verkehrspolizisten, den transnistrischen Grenzbeamten oder der iranischen Fashionpolizei hatten wir schon zumindest mit der Möglichkeit gerechnet. Aber nichts dergleichen. Wir sind zwar ziemlich oft angehalten worden, besonders im Iran, aber immer nur Kontrolle, immer freundlich und manchmal mit Foto.

Uns ist nichts abhanden gekommen (worden), was wir nicht selber verloren hätten. Wir hatten uns ein paar Gedanken wegen des Geldes gemacht, das man ja im Iran nicht abheben kann und von daher die ganze Zeit in bar spazieren führt. Ist aber gut gegangen,  also reduziert sich die Verlustliste auf das Portemonnaie in Bulgarien und einen halben Liter Motoröl. Da haben wir allerdings dumm geguckt, denn der tropfte langsam aber stetig auf die Straße, merkwürdigerweise im hinteren Bereich des Wagens, weit weg vom Motor, was wir uns nicht erklären konnten. Irgendwann hatten wir dann aber kapiert, dass der Ölkanister im Kofferraum umgefallen, nicht richtig zugeschraubt und im Auslaufen begriffen war. Eine mordsmäßige Sauerei!

Wir sind uns trotz 2er Monate auf engem, lautem, heissem und sich nur langsam vorwärts bewegendem Raum nicht auf die Nerven gegangen, also zumindest Kolja nicht mir. Und sollte es umgekehrt nicht stimmen, werden wir das nicht erfahren, denn Kolja liest den Blog nicht...

Wir hatten keine einzige Panne. Und auch wenn wir der Ente durchaus zugetraut haben eine solche Strecke durchzuhalten (sonst wären wir gar nicht erst losgefahren), sind wir darüber doch gleichermaßen erleichtert und erfreut. Wir hatten genau zwei Ersatzteile mitgenommen (Glühbirne für vorne und Keilriemen), wovon wir die Birne gebraucht haben. Und ein Bremsbirnchen, das Kolja aus Deutschland mitgebracht hat. Ansonsten haben wir nur ein paar Schrauben verloren, die wir aber unterwegs nicht weiter vermisst haben. Jetzt hat sie allerdings ein bisschen Pflege verdient, neben Ölwechsel muss auf jeden Fall der Vergaser gereinigt werden (aus dem Luftfilter haben wir schon ganze Wespen herausgefischt). Und die Sitze müssen ganz dringend neu bezogen werden. Und auch ein neues Dach ist fällig, das alte, das ja schon vor der Reise morsch war, sieht mittlerweile aus, als hätte jemand mit einer abgesägten Schrotflinte drauf geschossen.

 Also kurz gesagt, es hätte wirklich nicht besser laufen können. Es war einfach nur eine sensationell schöne Zeit.

The Ent