Montag, 9. Januar 2017

Nachlese


Da sind wir schon seit fast einer Woche wieder zu Hause, das ging am Ende dann auf einmal ganz schnell. Und auch hier sind wir gerade sehr beschäftigt mit Wiedersehen feiern (schööööön!), Studium aufnehmen (spannend), verlorene Ausweise neu beantragen (hmpf...), mit der Ente zum Zoll um das Carnet de Passage abzuschließen (Hauptzollamt Krefeld-Uerdingen: "Ähem, das haben wir hier noch nie gemacht..."), und, und, und.
Und weil auch der Blog am Ende nicht so offen stehen bleiben soll wie die Münder der drei kleinen Jungen aus Natanz (die von Kolja wissen wollten, ob sein Septumpiercing tatsächlich ganz durch die Nase geht, woraufhin er zu Demonstrationszwecken einmal kräftg dran gezogen hat), hier ein bisschen rückblickende Statistik... 


Vorher
Nachher
Dazwischen liegen gut 14000 Kilometer, 18 Länder (wenn man Transnistrien mitzählt), 25 Grenzübergänge, 13 Währungen, 2 1/2 Stunden Zeitverschiebung und 2 Monate Fahrzeit 


Und dies hier war die Route (rot hin, grün zurück), ein bisschen frei Schnauze mit Paint auf einen Screenshot von Google Maps gemalt (und entsprechend mit Vorsicht zu genießen, was die geografische Korrektheit betrifft). Das kann man natürlich auch richtig gut machen, wie wir einer gleichermaßen umfassenden wie einschüchternden Internetrecherche entnehmen konnten, du lieber Himmel, was es da alles so gibt...





Und sonst noch? 
Mir fallen ein paar Fragen ein, die uns immer wieder gestellt wurden, also:
Wir sind diesmal tatsächlich nicht krank geworden, was mich allerdings auch wundert. Wir hatten mal ein bisschen mit der öligen Frühstücksbuchweizengrütze bei den ukrainischen Bauern zu kämpfen, aber das zählt nicht. Und einmal muss was mit dem Bier in Armenien nicht gestimmt haben, mit dem wir ausgelassen das Ende unserer iranischen Abstinenz gefeiert haben, aber das erzähle ich nicht. 

Es gab keine wirklich kritischen oder beängstigenden oder bedrohlichen oder gefährlichen Momente, oder wenn, dann haben wir sie nicht als solche wahrgenommen. Schon gar nicht im Iran oder der Türkei, die am häufigsten Anlass zu solchen Fragen gegeben haben. Durch Kurdistan oder ins Grenzgebiet zu Afghanistan fährt man eben nicht. Und wir sind uns mit vielen Langzeitreisenden einig: das größte Risiko ist immer der Straßenverkehr. In unserem Falle vielleicht noch der Fahrstuhl in unserem Hotel in Tabriz, bei dem man genau hören konnte, wenn die aufgespleißte Stelle im Stahlseil mit lautem Pling über die Rolle lief. Vor dem Ding hatten wir eine Heidenangst, obwohl wir trotzdem fast nie die Treppe genommen haben, wie auch, doch nicht bei der Hitze in den dritten Stock...

Es gab keinen Ärger mit den Offiziellen. Und zumindest bei den ukrainischen Verkehrspolizisten, den transnistrischen Grenzbeamten oder der iranischen Fashionpolizei hatten wir schon zumindest mit der Möglichkeit gerechnet. Aber nichts dergleichen. Wir sind zwar ziemlich oft angehalten worden, besonders im Iran, aber immer nur Kontrolle, immer freundlich und manchmal mit Foto.

Uns ist nichts abhanden gekommen (worden), was wir nicht selber verloren hätten. Wir hatten uns ein paar Gedanken wegen des Geldes gemacht, das man ja im Iran nicht abheben kann und von daher die ganze Zeit in bar spazieren führt. Ist aber gut gegangen,  also reduziert sich die Verlustliste auf das Portemonnaie in Bulgarien und einen halben Liter Motoröl. Da haben wir allerdings dumm geguckt, denn der tropfte langsam aber stetig auf die Straße, merkwürdigerweise im hinteren Bereich des Wagens, weit weg vom Motor, was wir uns nicht erklären konnten. Irgendwann hatten wir dann aber kapiert, dass der Ölkanister im Kofferraum umgefallen, nicht richtig zugeschraubt und im Auslaufen begriffen war. Eine mordsmäßige Sauerei!

Wir sind uns trotz 2er Monate auf engem, lautem, heissem und sich nur langsam vorwärts bewegendem Raum nicht auf die Nerven gegangen, also zumindest Kolja nicht mir. Und sollte es umgekehrt nicht stimmen, werden wir das nicht erfahren, denn Kolja liest den Blog nicht...

Wir hatten keine einzige Panne. Und auch wenn wir der Ente durchaus zugetraut haben eine solche Strecke durchzuhalten (sonst wären wir gar nicht erst losgefahren), sind wir darüber doch gleichermaßen erleichtert und erfreut. Wir hatten genau zwei Ersatzteile mitgenommen (Glühbirne für vorne und Keilriemen), wovon wir die Birne gebraucht haben. Und ein Bremsbirnchen, das Kolja aus Deutschland mitgebracht hat. Ansonsten haben wir nur ein paar Schrauben verloren, die wir aber unterwegs nicht weiter vermisst haben. Jetzt hat sie allerdings ein bisschen Pflege verdient, neben Ölwechsel muss auf jeden Fall der Vergaser gereinigt werden (aus dem Luftfilter haben wir schon ganze Wespen herausgefischt). Und die Sitze müssen ganz dringend neu bezogen werden. Und auch ein neues Dach ist fällig, das alte, das ja schon vor der Reise morsch war, sieht mittlerweile aus, als hätte jemand mit einer abgesägten Schrotflinte drauf geschossen.

 Also kurz gesagt, es hätte wirklich nicht besser laufen können. Es war einfach nur eine sensationell schöne Zeit.

The Ent

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